Mediatisierung der Kinder- & Jugendhilfe?

„Jugendliche posten, kommentieren, liken und teilen. Sie inszenieren, kaschieren und optimieren. Bewundern, Vergleichen, Lästern und Spotten. Vor allem Facebook, Instagram und Whats App gehören zu den Kommunikationsinstrumenten, mit denen sich junge Menschen jederzeit und überall präsentieren. Wer online nicht sichtbar ist, wird nicht wahrgenommen und verpasst alles. Dabei sind Selfies der Maßstab für Sichtbarkeit und Likes die soziale Währung. Wer viel Haut zmediatisierungjugendhilfeeigt, bekommt viel Anerkennung oder läuft Gefahr, zum Spott oder gar Mobbing-Opfer zu werden. Was als schön und begehrenswert gilt und wer als „Schlampe“ abgestempelt wird – die Kriterien scheinen beliebig und die Konsequenzen nachhaltig. Erwachsene schütteln die Köpfe, erheben die Zeigefinger und mahnen zu digitaler Zurückhaltung. Aber sind nicht genau sie es, die eine Gesellschaft stützen, in der unerreichbare Schönheitsideale, Jugendwahn und Sexualisierung auf der medialen Tagesordnung stehen?…“

Eine neue Ausgabe der Zeitschrift „Archiv für Wissenschaft und soziale Arbeit“ widmet sich dem Thema Mediatisierung der Kinder- und Jugendhilfe. Mit dabei ist ein Artikel von mir zur Bedeutung digitialer Medien im Jugendalter am Beispiel des Umgangs mit Schönheit, Körperlichkeit und Sexualität. Reinlesen lohnt sich!

Von wegen Lehrer haben keine Ahnung?!

Von wegen Lehrer haben keine Ahnung?!

Mädchen und Jungen wachsen heute mit digitalen Medienhelden auf, die geschlechtsspezifisch aufbereitet und in eine umfassende Vermarktungskette eingebunden sind. Schon für die ganz Kleinen gibt es Fernsehsendungen, Computerspiele, Handys, Apps und Internetseiten. Aber was machen Kinder mit diesen Geräten, Inhalten und Diensten? Welche entwicklungsspezifischen Besonderheiten gibt es? Und wie ist es um die Medienkompetenz der Heranwachsenden, aber auch der Eltern, Erzieher und Lehrer bestellt?

Vorbereitung für das Hörspiel in einer Erfurter Grundschule
Vorbereitung für das Hörspiel in einer Erfurter Grundschule

Unter anderem mit diesen Fragen befasste sich das Seminar „Lillifee, Yakari & Co. Mediensozialisation und Medienkompetenz in der Kindheit“, das im Wintersemester für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Pädagogik der Kindheit an der Universität Erfurt angeboten wurde. Neben dem Aufarbeiten theoretischer und empirischer Erkenntnisse zum Aufwachsen mit digitalen Medien ging es vor allem darum, medienpädagogische Praxisprojekte zu entwickeln und in Schulen zu erproben. In insgesamt fünf Gruppen entwickelten die Studierenden Konzepte in den Bereichen Datenschutz, Hören, Geschlechterrollen und Kinderwerbung, Medienhelden und zum Einsatz von Webquest im Unterricht.

Quelle "FREIES WORT" Illmenau
Quelle „FREIES WORT“ Illmenau

Die Ergebnisse können sich sehen lassen! Enstanden sind unter anderem eine Talkshow, in der sich Grundschüler mit dem Datenschutz auseinandersetzen, oder ein Hörspiel, mit dem Kinder für das Hören und für gestalterische Möglichkeit sensibilisiert wurden. Eine Veröffentlichung des Hörspiels beim Wartburg Radio in Eisenach ist für den 19. März gegen 17.00 Uhr geplant. Insgesamt wird deutlich, dass es sehrwohl möglich ist, mit guten Ideen, sinnvoll strukturierten Konzepten und realtiv wenig technischem Equipment kreative und spannende Projekte mit Grundschülern im Rahmen von Unterricht und Projekttagen durchzuführen. Nachahmung empfohlen!

P.S. Das Seminar: „Lillifee, Yakari & Co.“ Mediensozialisation und Medienkompetenz in der Kindheit wird auch im Sommersemester 2015 an der Universität Erfurt (Pädagogik der Kindheit) angeboten.

 

Digital erwachsen mit 10 Jahren?!

Am 12. August ist die neue KidsVerbraucherAnalyse (KidsVA) erschienen und verweist auf den  hohen Stellenwert von Medien in der Lebenswelt von Kindern. Schon die Hälfte der Vorschulkinder und fast alle Schulkinder sind regelmäßig im Internet unterwegs und immerhin jedes zweite Kind zwischen 6 und 13 JahrenKidsVA_Handy besitzt ein eigenes Smartphone – Tendenz steigend. Gleichzeitig begeistern sich Kinder für klassische elektronische Spielzeuge, aber auch Bücher, Zeitschriften und Kindermagazine und sie verfügen über ein ausgeprägtes Markenbewusstsein – Lillifee, Barbie & Co sind dabei in umfangreiche Produktpaletten eingebunden, die von Kindern sehr wohl wahrgenommen werden und beliebt sind.

 

Das verweist auf die enorme Kaufkraft von Kindern. Laut der neuen KidsVA siKidsVA_Geldsummennd es insgesamt 519 Millionen Euro, die den 6-13-Jährigen jährlich zur Verfügung stehen. Diese Summe ergibt sich aus großzügigen Taschengeldern, Belohnungen und Geldgeschenken von Familienmitgliedern sowie Geldzuwendungen an Feiertagen. Heranwachsende sind damit ein nach zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor und eine höchst interessante Ziegruppe für die Werbung.

Heißt also? Medien für Kinder – immer früher, immer mehr, immer bunter: Die Lebenswelt der Kinder spiegelt in vielerlei Hinsicht das wider, was wir in der Erwachsenenwelt schon seit einiger Zeit etabliert haben: das Smartphone immer griffbereit, jederzeit und überall erreichbar, virtuoses Navigieren zwischen Beziehungsmanagement via Apps, Rezipieren von Nachrichten, Checken von Arbeitsanforderungen, Entspannung mit Onlinespielen und Spiele-Apps.

Dass sich Kinder medienbezogene Handlungsmuster von uns Erwachsenen abschauen und dass sie von der von der (Medien)Industrie wie eine erwachsene Zielgruppe behandelt werden heißt aber noch lange nicht, dass sie medial oder „digital erwachsen“ sind, wie man in der Presse lesen konnte. Oftmals fehlt ihnen das Hintergrundwissen, die Erfahrungswerte und die Reflexionsfähigkeit, um mediale Strukturen und wirtschaftspolitische Interessen zu durchschauen und um souverän in einer mediatisierten Welt zu agieren. Das fählt ja selbst uns Erwachsenen mitunter schwer. Um so wichtiger ist es, Kinder auf ihrem Weg durch die „schöne bunte Medienwelt“ zu begleiten und ihre Medienkompetenz zu fördern und zu stärken – nicht zuletzt mit der eigenen Vorbildfunktion!

Download Pressemeldung

Quelle: EgmontSolutions

Mehr kommunizieren & Weniger reden?!

„Die Generation, die nicht mehr spricht“ – so und ähnlich titeln deutsche Tageszeitungen wie die FAZ und berichten von der neuen Ofcom Studie, in der insgesamt 2000 Erwachsene und 800 Kinder zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder und Jugendliche heute nicht nur mehr, sondern auch anders kommunizieren als Erwachsene und als junge Generationen vor ihnen. Während Erwachsene eher emails schreiben und telefonieren, sind für Heranwachsende Kurznachrichten und Soziale Netzwerke wie Facebook die Hauptkanäle ihrer Kommunikation. Dabei bleiben soziale Beziehungen auf der Strecke, so die Ergebnisse der Studie.

Warum dieser Kommunikationswandel? Whatsapp, Facebook Messenger & Co. ermöglichen eine unmittelbare, dauerhafte und flexible Kommunikation, – jederzeit, an jedem Ort und unabhängig von den Eltern für die Peers erreichbar sein. Das ist vor allem für junge Menschen und die Pflege ihrer Beziehungen zu Gleichaltrigen höchst bedeutsam. Heute lässt sich dieses bedürfnis mehr und besser als je zuvor mit den portablen, multimedialen Alleskönner wie dem Smartphone bedienen.

Keine echten Beziehungen mehr? Dass junge Menschen heute sehr viel über Messenger-Programme und Apps kommunizieren und dass sie bei Facebook weit mehr als 100 „Freunde“ in ihrer Kontaktliste haben, heißt keinesfalls, dass ihre „echten“ Beziehungen verkümmern – im Gegenteil: Medienbezogene Kommunikation im Jugendalter ist in erster Linie Beziehungspflege und Beziehungsaufbau. Die besten Freundschaften, die im schulischen Umfeld, in der Nachbarschaft oder im Sportverein entstehen, werden auch über digitale Dienste und Angebote weiter gepflegt und vertieft. Zusätzlich verfügen junge Menschen heute über einen enormen „Beziehungsspeckgürtel“ – zahlreiche, eher lose und oberfläche Beziehungen, die über Soziale Netzwerke oder Apps geknüpft, verfolgt und wenig vertieft werden – die aber trotzdem eine wichtige Funktion für Jugendliche erfüllen: zu wissen, dass man in ein umfangreiches und differenziertes Beziehungsnetz eingebettet ist, dass soziale Sicherheit vermittelt und soziale Potenziale und neue Möglichkeiten eröffnet.

Welche sozialen Konsequenzen kann diese veränderte Kommunikation haben? Positiv betrachtet ist es also für junge Menschen heute einfacher, Beziehungen zu knüpfen, zu pflegen und auch zu beenden. Andererseits führt die dauerhafte Erreichbarkeit und die ständige Kommunikation nicht zwangsläufig zu mehr Beziehungssicherheit und Beziehungsvertrauen. Bleiben Antworten auf versendete Nachrichten aus und erfolgen verzögerte oder gar keine Reaktionen bei Facebook sind Jugendliche schnell verunsichert. Fragile Beziehungsgebilder können schneller ins Wanken geraten als früher – fällt der mediale Dauerton weg, wächst die Angst vorm Alleinsein. Dabei ist dieses Alleinsein gerade auch für junge Menschen ab und an sehr wichtig – um dem Gehirn eine kognitive Pause zu können und um sozial durchzuatmen und sich zurückzulehnen. Abschalten können erfordert sehr viel Mut – bei Erwachsenen und Herwachsenen!

Quellen
Die Ofcom-Studie
Mein Kommentar zur Studie im Österreicher Kurier
Artikel in der FAZ vom 07.08.2014

Qual der Wahl?! Neue Studie zu Medienwelten von Jugendlichen

Mediennutzung und Medienkompetenz in jungen Lebenswelten
Das Spektrum an Mediengeräten und -inhalten ist heutzutage sehr breit. Noch nie konnte eine junge Generation aus so vielen Optionen auswählen – und sie tut dies auch. Trotz dieser Vielfalt stechen vier Medienoptionen in ihrer Zugehörigkeit zum Alltagsrepertoire der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland deutlich heraus: Das Internet wird mit seinen vielfältigen Möglichkeiten von 93 Prozent mindestens mehrmals in der Woche genutzt, das Fernsehen ist für 86 Prozent Alltagsmedium. 73 Prozent nutzen MP3-Dateien (vor allem als wichtigen Musikzugang) und das Radio wird von 67 Prozent regelmäßig gehört. Dies sind erste Ergebnisse der repräsentativen Studie „Mediennutzung und Medienkompetenz in jungen Lebenswelten“, die  erstmals im Rahmen eines Artikels in der Zeitschrift „Media Perspektiven“ veröffentlicht wurde.

Download Studienergebnisse
Quelle: http://www.mpfs.de/

Unterrichtspaket Safer Sex 2.0

Das bei www.lehrer-online.de bereitgestellte Unterrichtsmaterial: Safer Sex 2.0? Sexting & Grooming thematisiert die Phänomene „Sexting“ und „Grooming“ und gibt Schülerinnen und Schülern Strategien an die Hand, um sich vor damit verbundenen Gefahren zu schützen.

Dieses Materialienpaket eignet sich zur Förderung der digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Sie sollen sich ihrer Verantwortung bei der Nutzung von Informationstechnologie bewusst werden und eigene Handlungsmöglichkeiten entwickeln, um sich souverän und kritisch im Netz zu bewegen. Diie Unterlagen zum Thema Sexting & Grooming umfassen verschiendenste Facetten dieser Phänomene und geben Lehrenden ein Instrument an die Hand, sich im Unterricht mit den Chancen und Risiken digitaler Medien zu befassen.
Gesamteindruck: Daumen hoch!

Gesamtpaket zum Download

 

Totally (Dis)Connected?!

Abschalten können im Medienzeitalter – das wird nicht nur für Kinder und Jugendliche zunehmend schwerer, sondern auch für Erwachsene. Das Augenmerk von Eltern, Lehrenden und Pädagogen ist aber vor allem auf die heranwachsende Generation gerichtet – Jungen und Mädchen die das Smartphone nicht mehr aus der Hand legen, die Tag und Nacht bei facebook online sind, die sich in den virtuellen Welten der Computerspiele verlieren. Wann ist Mediennutzung pathologisch und nicht mehr normal? Wann handelt es sich um einen ganz alltäglichen Zeitvertreib, um typisches Handeln um Jugendalter und wann wird es problematisch? Gibt es gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse und wie lässt sich das Thema Medien und Abhängigkeit in den Unterricht und in die pädgogische Arbeit integrieren?
Damit befasst sich die Multiplikatoren-Fortbildung am 12. Dezember 2013, die ich für das Thillm in Erfurt durchführe. Tipps und Links zum Thema Mediensucht gibts schon jetzt zum Download. Und dazu das passende Video „Wo lebst du?“ der Initiative klicksafe.

Digitale Klassenzimmer im maroden Schulgebäude?!

In den vergangenen Monaten hat die Arbeitsgruppe Bildung der Thüringer Landtagsfraktion DIE LINKE intensiv am Text eines Bildungskonzept gearbeitet. Inhaltlich hatte sich die AG dabei das Ziel gesetzt, Bildungspolitik in ihrer Gesamtheit anzugehen und die Bedeutung von digitalen Medien sowie die Förderung von Medienkompetenz mitzudenken. Am 7. Dezember soll der bisherige Stand des Bildungskonzepts auf einer Konferenz in Erfurt beraten werden. Ab 10 Uhr wird an diesem Samstag in der Aula der Integrierten Gesamtschule (Wendenstraße 23, 99086 Erfurt) unter dem Titel „Jetzt Plan Bildung!“ diskutiert. Dazu sind mehrere Workshops geplant, unter anderem auch der von mir mitgestaltete Workshop „Digitale Klassenzimmer im maroden Schulgebäude?“ Alle interessierten Eltern, Lehrer, Pädagogen und natürlich auch Jugendliche sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren!

 Link zur Veranstaltung

Download Einladung

 

Neu von mir: Kinder & Handys und Digitale Jugendkulturen

HandbuchKinderMedien In der Straßenbahn, vor Schaufenstern, in der Einkaufspassage und auf Spielplätzen: es klingelt und piept, es werden Melodien vorgespielt und Bilder herumgezeigt, neue Spiele ausprobiert und Hintergrundbilder verglichen. Das Mobiltelefon ist längst nicht mehr nur ein Jugendmedium, sondern spielt bereits für die Jüngsten in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Kinder wenden sich digitalen Medien wie dem Mobiltelefon zu, um sich auch darüber ihre soziale Lebenswelt zu erschließen. Vor diesem Hintergrund befasst sich mein Beitrag „Kinder und Handy“ im „Handbuch Kinder und Medien. Digitale Kultur und Kommunikation (Volume 1, 2014, pp 419-428) mit der Bedeutung des Handys für Kinder. Link zum Beitrag

Dass Computer- und Internetnutzung zu Kontrollverlust, sozialem Abstieg und Depressionen führt DigitaleJugendkulturenund dass Jugendliche heute keine echten Freunde mehr haben und sich in sozialen Netzwerken wie Facebook buchstäblich das Gehirn wegklicken (Spitzer 2012), sind Aussagen, zu denen Manfred Spitzer in seinem Buch »Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen« gelangt, und von denen die öffentliche Debatte um die Gefahren digitaler Medien für heranwachsende Generationen derzeit befeuert wird (vgl. u.a. Hanfeld 2012) Die Jugendlichen selbst sehen das natürlich anders. Aus ihrer Sicht eröffnen sich über Computer, Internet und Smartphone grenzenlos erscheinende Handlungsräume, in denen sie ihre Beziehungsnetze ausdifferenzieren, Facetten ihres Selbst erproben und präsentieren, Wissen zusammentragen, ihre Freizeit verbringen sowie ihren ganz normalen Alltag gestalten können. Mein zusammen mit Friedrich Krotz verfasster Beitrag „Jugendkulturen im Zeitalter der Mediatisierung“ ist im Buch „Digitale Jugendkulturen. Digitale Kultur und Kommunikation (Volume 2, 2014, pp 31-44) erschienen und befasst sich mit der Veränderung von Kommunikation und Sozialisation im Jugendalter. Link zum Beitrag

 

JIM 2013 erscheint Ende November!

Wie kaum ein anderes Mediengerät vereint das Smartphone eine Vielzahl an Funktionen und bietet mannigfaltige Möglichkeiten zur Informationssuche, Kommunikation und Unterhaltung. In den letzten Jahren hat sich die Verbreitung dieser Geräte auch bei Jugendlichen enorm gesteigert. Inzwischen besitzen fast drei Viertel (72 %) aller Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone. Vor allem die permanente Möglichkeit zum Zugriff auf das Internet ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Mehr als drei Fünftel gehen mit dem Handy mindestens mehrmals pro Woche ins Internet oder nutzen den mobilen Zugang zu ihrer Community. Dies sind erste Ergebnisse der JIM-Studie 2013, die am 29.11.2013 erscheint.

Download der Pressemeldung

Quelle: www.mpfs.de